Pornosucht und heimliches Fotografieren etc.
#1
Hallo zusammen,

mein Mann und ich führen eine Beziehung seit 9 Jahren, seit 2 Jahren sind wir verheiratet, wir sind Mitte 30 und haben keine Kinder. Ich würde unsere Beziehung als glücklich und gelungen bezeichnen, natürlich gibt es an und zu kleine Probleme, kleine Unstimmigkeiten, aber es gibt ja keine perfekten Beziehungen.

Was mich anfangs und immer noch stört ist die Tatsache, dass er von Pornographie stark abhängig ist und jeden Tag masturbiert. Als ich ihn darauf angesprochen habe, hat er festgestellt, dass hat mit seiner Liebe zu mir nichts zu tun, das macht jeder Mann. Ich sei zu prüde.

Jetzt weiß ich, die Sache ist eskaliert. Ich habe vor paar Tagen auf seiner geheimen Festplatte eine Sammlung von Fotos und Videos entdeckt, die er sich als Vorlage erstellt hat. Ich bin schockiert, weil ich dort auβer den Bildern mit nackten Frauen aus dem Internet auch einen Ordner mit den Fotos von seinen Bekannten und Exfreundinnen in Bikini gefunden habe.

Er hat auch Menschen heimlich in der FKK Gegend fotografiert, teilweise auch während unseres gemeinsamen Urlaubs, während ich neben ihm saß. Er hat diese Fotos sehr diskret geschossen, sodass ich es gar nicht wahrgenommen habe. Und jetzt kommt das allerschlimmste, was mich in Entsetzen und Ekel versetzt - er hat auch meine Schwester und meine Mutter im Bad heimlich durch das Schlüsselloch beim Duschen gefilmt. Die beiden Aufnahmen stammen aus verschiedenen Jahren (2011 und 2017), d.h. es war keine einmalige Sache.

Meine Welt ist zusammen gebrochen. Ich bin total geschockt und weiss nicht, wie ich das Gespräch anfangen soll und wie es mit uns weiter gehen soll. Er ist leider ein Menschentyp, der Gespräche gut „auf seine Seite“ lenken kann, er hat immer eine Erklärung bzw. Ausrede parat. Für mich ist sein Verhalten krankhaft und ich habe den Eindruck, er kann seine Triebe nicht kontrollieren, dodass er selbst seine eigene Mutter filmen würde.

Unser Sexleben wird immer schlechter, denn er bekommt oft Probleme mit Errektion. Ich habe schon eine beiläufige Anmerkung gemacht, dass es von dem zu vielen Selbstbefriedigungen kommt (das macht er täglich und denkt, ich weiß es nicht), darauf war er beleidigt. Er weiß nicht, dass ich seine geheime Sammlung gefunden habe.

Ich würde mich gerne auf das Gespräch gut vorbereiten und ihm eine Therapie vorschlagen. Ich habe aber Angst, er wird alles blockieren und das Problem abstreiten. Dazu kommt noch, dass seine Provatsphäre verletzt habe durch das Rumschnüffeln. Wie soll ich es am besten angehen?

Viele Grüße
Susanne
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#2
Hallo Susanne,
es tut mir leid, dass du in der Weihnachtszeit diese schreckliche Entdeckung machen musstest. Ich denke, du hast einige wesentliche Zusammenhänge schon selbst erkannt. Seine Errektionsprobleme stehen sehr wahrscheinlich in Zusammenhang mit seinem Pornokonsum und der Selbstbefriedigung. Dass es sich um eine starke Abhängigkeit und keinen Einzelfall handelt siehst du ja auch so. Auch wenn es schwer fällt sich das einzugestehen, auch dein Mann ist Sexsüchtig.
Es ist sehr schwer mit einem Sexsüchtigen ein vernünftiges Gespräch zu führen. Die Süchtigen leben in einem Lügengebäude, das man mit logischen Argumenten nicht durchdringen kann. Er wird sehr wahrscheinlich abstreiten oder die Schuld auf dich schieben (hat er ja bereits getan als er sagte, du bist prüde).
Ich glaube nach meiner Erfahrung ist es einer der wichtigsten Schritte, sich intensiv zu informieren, so kann er dich im Gespräch nicht so leicht "umwerfen". Es gibt hier bei love is more einige gute, informative Seiten und Buchtips. Auch auf der Seite von frreeindeed kannst du einiges nützliche erfahren (sind mit love is more verlinkt). Gut finde ich auch die Seiten www.return-mediensucht.de und www.dijg.de/pornographie-sexsucht-pornosucht. Außerdem kannst du noch auf den Seiten von AS (Anonyme Sexaholiker) und von SLAA stöbern. Das sind die Quellen, die ich am hifreichesten fand.
Wenn du dir dann einen Überblick über das Krankheitsbild gemacht hast, denke ich ist es wichtig, dass du dir bewusst wirst, wie weit werde ich gehen, was werde ich tun, wenn er abstreitet, welche Konsequenzen bin ich bereit durchzuzeihen.
Vergiss nicht, du kannst deinen Mann nicht verändern, du kannst nur für dich Konsequnzen daraus ziehen und Entscheidungen treffen.
Freiheit ist möglich, aber das muss der Süchtige von sich aus wollen und es ist ein harter schwerer Weg, auch für dich. Sexsucht verändert das Gehirn ähnlich wie harte Drogen, entsprechend schwer ist der Ausstieg.

Ich wünsche dir eine weise Entscheidung, und dass du für dich klare Perspektive finden kannst. Gott segne dich.

Anja
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#3
Liebe Susanne!
Ich kann Anja in allem nur beipflichten. Das ist heftig, was du in der Weihnachtszeit erleben musstest. Ich habe auch so oft Zeiten erlebt, in denen ich nach außen gezeigt habe, es ist eh alles in Ordnung, aber innen drinnen habe ich nur geweint über das, was ich in meiner Ehe erlebte. Es sind wirklich scheußliche Erfahrungen, die wir als Ehefrauen von sexsüchtigen Männern erleben. Es stimmt, ein Gespräch mit einem nichteinsichtigen Sexsüchtigen ist wirklich schwierig, er dreht und wendet alles so wie er es für sich braucht, er rotiert um seine Sucht, ganz schwierig an die Wahrheit zu kommen, Widerstand gegen seine Lüge zu leisten.... Zu dem , was Anja dir geraten hat, würde ich gerne ergänzen wollen: SUCH HILFE FÜR DICH!!!!!! Eine Selbsthilfegruppe( Ehefrauen von Sexsüchtigen), Beratungsstelle für Angehörige von Süchtigen (weißes Kreuz, glaub ich in Deutschland), eine Psychotherapeutin - die Erfahrung mit Suchtkrankheit hat (damit du einen guten, dich schützenden Umgang mit deinem Mann lernst und nicht noch selber krank oder ähnliches wirst), einen Menschen, dem du dich rücksichtslos anvertrauen kannst.
Du liegst auf jeden Fall total richtig mit dem, dass das krankhaft ist, was dein Mann da lebt, das hat nichts mit Ehe, Liebe, Vertrauen, …. zu tun und hat in einer guten Beziehung NICHTS verloren.
Ich wünsche dir alles Gute, viel Weisheit für Gespräche mit deinem Mann und vor allem Hilfe für dich, damit du diesen Prozess der Aufdeckung der Sucht deines Mannes gut überstehst und ihr beide in eine geheilte Ehe finden könnt.
Ganz liebe Grüße Judith
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#4
Hallo Susanne,

ich als Mann möchte ein paar Sachen zu dem Thema sagen. Eure Situation kenne ich aus männlicher Sicht. 

Zu allererst, bedenke immer: Es handelt sich um eine Krankheit.

Die Probleme liegen meist tiefer. Die Sucht ist nur ein Syndrom davon. 
Nimm Dir die Sucht Deines Mannes nicht zu sehr zu Herzen, bzw. Du bist nicht der Auslöser, Du kannst ihn auch nicht heil machen. Der Schlüssel liegt in seiner Entscheidung für sich/Dich/Familie/einen Neubeginn mit seiner Sexualität.

Wenn Ihr das Thema besprechen könnt, achte darauf keine auf ihn verurteilend oder angreifend wirkenden Worte zu verwenden – das ist ganz entscheidend! Sonst wird er kein Vertrauen fassen können, blockieren, sich rechtfertigen, Ausflüchte und Beschönigungen suchen und flüchten. Versuche ihn wirklich zu verstehen. Es liegt dem ein Problem zugrunde. 

Sag Deinem Mann wie es Dir persönlich damit geht und was es in Dir auslöst. Vielleicht auch was Du Dir wünschen würdest. Vor allem aber, dass es für Dich auf Dauer nicht so weitergehen kann. Hab Geduld! Falls er sich das Problem eingestehen kann und seinen Weg ändern will, müsst ihr unweigerlich mit Rückschlägen rechnen. Bei der Suchtbewältigung bleiben die meist nicht aus. Dann dürft Ihr beide nicht enttäuscht sein, sondern den Rückschlag hinnehmen und den Weg einfach wieder weiter gehen!

Ich hoffe meine Worte helfen in irgendeiner Weise.

Alles Gute und vor allem Gottes Weisheit in der Sache!

Die Liebe heilt alles!
Die Liebe hat einen Namen!

LG, M.
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