Einheit 4 – Biologie

WEIBLICHE UND MÄNNLICHE FRUCHTBARKEIT

WEIBLICHE UND MÄNNLICHE FRUCHTBARKEIT

Die Schülerin/der Schüler kann:

  • Durch ganzheitliche Informationen einen positiven Bezug zum eigenen Körper und zur eigenen Geschlechtsidentität entwickeln

  • Sich in geschlechtergetrennten Gruppen über Fragen und Fakten zum Thema Pubertät und Fruchtbarkeit äußern

  • Den Einfluss und die Wirkung von Testosteron, Progesteron und Östrogen (erste Grundkenntnisse) kennen und beschreiben

  • Den biologischen Zweck und die korrekte Bezeichnung der Geschlechtsorgane kennen

  • Wissen, was sich beim ersten Samenerguss (Jungen) und beim Einsetzen der ersten Menstruation (Mädchen) im Körper abspielt. Den weiblichen Zyklus erklären

  • Ein Bewusstsein für seine Verantwortung im Umgang mit Sexualität entwickeln

In dieser Einheit erhalten Jungen und Mädchen Einblick in die männliche und weibliche Fruchtbarkeit. Dieses Thema stellt in vielen gängigen Sexualpädagogik-Curricula ein Schattendasein dar, wenn es nicht sogar als problematisch und als ein „zu verhütendes“ mehr oder weniger lästiges Beiwerk der Sexualität dargestellt wird. Die Erklärung dafür liegt in einer einseitigen Betonung der Lust, die Sexualität bereiten kann. Dieser wird seit den gesellschaftlichen Umwälzungen der 60er Jahre zusätzlich ein ausgesprochen „progressiver“ und sogar „revolutionärer“ Charakter zugeschrieben, während Schwangerschaft, Geburt und Kindererziehung als „repressiv“ und die Freiheit vor allem der Frauen einschränkende Faktoren dargestellt werden.

In vieler Hinsicht hat das aber dazu geführt, dass eine einseitig-männliche Messlatte an Sexualität angelegt wird, die vielfach nicht hinterfragt wird. Dies obwohl es schon in den 1970er Jahren auch Bemühungen gab, weibliche Sexualität und ihren Bezug zur Fruchtbarkeit wieder stärker in den Vordergrund zu stellen (vgl. Nofziger 1976).

Dass Schülerinnen und Schüler eine Art „gesunden Stolz“ auf ihre Fruchtbarkeit entwickeln, gleichzeitig aber auch das Bewusstsein für die Verantwortung wächst, die damit einhergeht, ist erklärtes Ziel von Einheit 4. Dazu ist es auch wichtig, die vielen problematischen und missverständlichen Kurzinformationen über hormonelle und die Fruchtbarkeit betreffende Vorgänge, die bis heute in Broschüren und auf Websites verbreitet werden, in einen den heranwachsenden Körper in seiner Individualität wertschätzenden Kontext zu stellen.

Tatsächlich fördern Informationen zu den Veränderungen, die in der Pubertät stattfinden, den Bezug zum eigenen Körper und zur eigenen sexuellen Geschlechtsidentität. Zusätzlich wird aber auch das Verständnis für das geweckt, was beim anderen Geschlecht in diesem Zeitabschnitt geschieht. Der Körper wird damit in den Mittelpunkt der ganzheitlichen Selbstwahrnehmung gestellt.

Erste Kenntnisse zum Einfluss der Geschlechtshormone und der Funktion der weiblichen und männlichen Geschlechtsorgane bilden ein solides Fundament, auf dem die weiterführenden Themen aufbauen. Ziel dieser Einheit ist es, Schülerinnen und Schüler für das spannende Zusammenspiel und die Komplexität des menschlichen Körpers zu begeistern und so Vorfreude auf das Erwachsen-Werden zu wecken.

Im geschlechtergetrennten Teil sollen Mädchen und Jungen in einem geschützten Rahmen geschlechtsspezifische Themen bearbeiten und ihre Fragen dazu stellen können, wie etwa die eigene Rolle als Mädchen oder Junge, der Umgang mit Verliebtsein, Fragen zur Hygiene, und was es bedeutet „Vater“ oder „Mutter“ zu werden bzw. zu sein.

Für Jungen ist es dabei ebenso wesentlich, auf den ersten Samenerguss vorbereitet zu werden und zu verstehen, was dabei geschieht, wie es für die Mädchen wichtig ist, in den Monatszyklus eingeführt zu werden. Mit dem Fördern der Selbstbeobachtung werden bei Mädchen Selbstwahrnehmung und Selbstwert gefördert. Bewusst liegt der Fokus dabei noch stärker auf den Emotionen und dem Allgemeinbefinden als auf der Schleimbeobachtung, die von Mädchen dieser Altersstufe oft noch als „eklig“ empfunden wird.

IDEEN FÜR DIE UNTERRICHTSGESTALTUNG

THEMA: „BIOLOGIE: WEIBLICHE UND MÄNNLICHE FRUCHTBARKEIT“

GEMEINSAME EINFÜHRUNG: TEILWEISE GESCHLECHTERGETRENNTE EINHEIT

Hormone vorstellen:

Die Illustrationen der drei Hormone (siehe BASISWISSEN E 4-1) werden vergrößert und auf ein Flipchart geklebt. Die Lehrperson schreibt zu jedem Geschlechtshormon die entsprechenden Funktionen auf und führt diese kurz aus. Die Kopiervorlage BASISWISSEN E 4-1 Bonus siehe www.saferchildren.org kann den Schülerinnen und Schülern daran anschließend zur Ergebnissicherung ausgeteilt werden.

Geschlechtsorgane:

ABBILDUNG E 4-2x Bonus siehe www.saferchildren.org „Die weiblichen Geschlechts- und Beckenorgane“ bzw.

ABBILDUNG E 4-3x Bonus siehe www.saferchildren.org „Die männlichen Geschlechts- und Beckenorgane“. Funktion der Organe detailliert erklären, dazu auch die ergänzenden/erklärenden Begriffe (Produktionswerkstatt, Babyzimmer etc. siehe ARBEITSBLATT E 4-4 Bonus) verwenden.

Oder: Die Abbildungen der Geschlechtsorgane mit Beamer auf die Wand projizieren und detailliert die Funktion jedes Organs erklären.

Arbeitsblatt mit Zeichnungen der Geschlechtsorgane abgeben und mit Begriffskärtchen ARBEITSBLATT E 4-4 und E 4-5 Bonus beschriften lassen:

ARBEITSBLATT E 4-2 „Die weiblichen Geschlechts- und Beckenorgane“ Lösung: LÖSUNG E 4-2 Bonus

ARBEITSBLATT E 4-3 „Die männlichen Geschlechts- und Beckenorgane“ Lösung: LÖSUNG E 4-3 Bonus

Lückentext:

Arbeitsblatt des jeweils anderen Geschlechtes ausfüllen lassen

ARBEITSBLATT E 4-6 „Die weiblichen Geschlechtsorgane“ Lösung: LÖSUNG E 4-6 Bonus

ARBEITSBLATT E 4-7 „Die männlichen Geschlechtsorgane“ Lösung: LÖSUNG E 4-7 Bonus

UNTERRICHTSSEQUENZ MÄDCHEN:

DEN WEIBLICHEN ZYKLUS KENNENLERNEN UND VERSTEHEN

  1. Die Schülerinnen beschäftigen sich anhand von BASISWISSEN E 4-9 Bonus (ergänzend dazu auch BASISWISSEN E 4-10 Bonus) mit den verschiedenen Phasen des Zyklus. Das erworbene Wissen wird daran anschließend mit ARBEITSBLATT E 4-13 BONUS angewendet.
  2. Kreative Gruppenarbeit/Einzelarbeit Mädchen:
    • Weibliche innere Geschlechtsorgane (Gebärmutter und Gebärmutterhals, Eileiter und Eierstöcke) mit farbiger Knetmasse modellieren.
  3.  Hausaufgaben: Lückentext Mädchen/Frauen ausfüllen (evtl. Mutter einbeziehen) ARBEITSBLATT E 4-6 Die Schülerinnen beobachten sich einen Monat lang mit Hilfe von ARBEITSBLATT E 4-12 Bonus und lernen sich auf diese Weise besser kennen.

UNTERRICHTSSEQUENZ JUNGEN:

THEMA HODEN / SAMENBILDUNG UND SAMENERGUSS NÄHER ANSCHAUEN.

  1. Zeichen der Geschlechtsreife bei Jungen: Was gehört dazu? Jungen beantworten die Fragen.
  2. Männliche Geschlechtsorgane und ihre Funktionen nochmals repetieren.
  3. Die Lehrperson erklärt, dass der erste nächtliche Samenerguss etwas ganz Normales ist und anzeigt, dass die Spermienproduktion jetzt läuft und überschüssige Spermien „entsorgt“ werden. Eventuell – je nach Jungengruppe und Interesse – darüber sprechen, wie die Jungen damit umgehen können (z. B. Schlafanzughose selber auswaschen oder einfach in den Wäschekorb, mit Papa/Mama darüber reden …).
  4. Hygiene in der Pubertät: Intimhygiene erklären, dazu BASISWISSEN E 4-8 Bonus ausfüllen lassen. Lösung: LÖSUNG E 4-8 Bonus
  5. Hausaufgabe: Lückentext auf ARBEITSBLATT E 4-7 Jungen ausfüllen lassen (evtl. Vater einbeziehen) Lösung: LÖSUNG E 4-7 Bonus