Im Jahr 2016 führte Safersurfing das folgende Interview* mit einer Aussteigerin aus der Pornoindustrie. Nachdem sie der Branche ihren Rücken gekehrt hatte, sagte sie dieser offen den Kampf an und half anderen Darstellerinnen ebenfalls zum Ausstieg.

Vom Einstieg in die Pornoindustrie

„Meine erste Porno-Szene wurde in Las Vegas für ‚Sensational Video‘ gedreht. Eine Firma, die damals meiner Meinung nach im gesetzlichen Graubereich tätig war. Der Dreh fand in einer Wohnung statt. Ohne Bewerbungsgespräch. Es gab dort weder ein glamouröses Set noch einen Umkleideraum. Keine Security. Mir wurde gesagt, es handle sich nur um einen Probe-Dreh und ich solle froh sein, dafür sogar bezahlt zu werden! Man stellte mir ‚Ruhm und Ehre‘ in Aussicht. Widerwillig drehte ich also die Szene. Nach einer Stunde war der ganze Missbrauch vorbei und man drückte mir 300 Dollar in die Hand. Ich wurde hinausbegleitet und der Produzent stellte mir weitere Jobs in Aussicht. Gleichzeitig betrat bereits das nächste Opfer die Wohnung. Ich fuhr mit flauem Magen nach Hause.“

„Mein einziger Gedanke war, dass ich gerade meine Seele für 300 Dollar verkauft hatte. Ich schwor mir, niemals wieder so etwas zu machen und ich war mir absolut sicher dabei. Was für ein Irrtum!“

Starfaktor – Auf der Straße wiedererkannt?

„Ja, ich wurde oft wieder erkannt. Es ist nervig. Sogar für jemanden, der heute mutig genug ist, öffentlich gegen Pornografie aufzutreten. Du verlässt die Porno-Branche und glaubst, ’normal‘ leben zu können, aber in Wahrheit kannst du das nicht. Die Pornoindustrie folgt dir überall hin. Was du an Pornos ‚erschaffst‘, bleibt für immer bestehen, irgendwo im Internet. Warst du einmal ein Porno-Star, wirst du immer wieder mal erkannt werden. Pornos sind in unserer Gesellschaft so weit verbreitet, dass du nie wissen kannst, wer dich schon mal gesehen hat. Dein Nachbar, der Lehrer deiner Kinder, dein Arbeitskollege, der Postbote.

Ich wurde einmal im Supermarkt erkannt. Dieser ‚Fan‘ war so aufgeregt und begeistert, dass er mir einfach nachging. Er fragte mich nach meiner ‚Filmkarriere‘. Ich sagte ihm die Wahrheit, aber das stoppte ihn nicht in seinem Enthusiasmus. Solche Begegnungen können verstörend sein. Die Leute glauben, du bist tatsächlich diese Person, die sie aus dem Film zu kennen glauben. Selbst dann, wenn du ihnen erklärst, dass alles eine Lüge ist. Ihr Geist ist voll mit Pornografie, sie können dich nie mehr in einem anderen Licht sehen.“

Pornos – Ein Paradies auf Erden?

Meine Reise in die Porno-Industrie war getrieben von meiner Verzweiflung, meine drei Kinder ernähren zu müssen. Ich war eine mittellose Alleinerzieherin, die alles für ihre Kinder getan hätte. Dazu kam eine Vergangenheit mit sexuellem Missbrauch, so wie bei vielen Darstellern.

„Jedes mal wenn der Missbrauch am Set vorbei war, fühlte ich mich wund, müde und angeekelt. Von den anderen und von mir selbst. Ich begann zu trinken und nahm Schmerzmittel. Dann begann ich verschiedene Pillen zu nehmen. Die Produzenten boten mir natürlich auch Drogen an. Es gab Marihuana und Alkohol, ich nahm gerne, was da war. Ich wollte einfach den Schmerz nicht spüren, den die Penetration mit einem übergroßen Penis verursacht. Oder den Schmerz, wenn man während einer Penetration auch noch gewürgt wurde und dabei still zu halten hat, weil noch Fotos geschossen werden müssen. Das ist für jede Darstellerin der blanke Horror! Für jede Szene wurde zwei Stunden oder länger gedreht, weil die Produzenten noch einen weiteren Kamerawinkel oder eine andere Lichteinstellung probieren wollten. Ich wurde vor der Kamera erniedrigt und musste mitmachen, oder es gab kein Geld.“

„Mir wurden entwürdigende Namen gegeben. Ich war in einer speziellen Nische, in der ich mein (etwas höheres) Gewicht halten musste. Eine sogenannte ‚BBW-Darstellerin‘, im Prinzip eine dicke Darstellerin. Die Produzenten erwarteten von mir, dass ich das auch bleibe. Andernfalls gäbe es keine Jobs mehr.

Der nächste Schritt war jener in die Prostitution. Produzenten logen mich an und schickten mich um los, um ‚Privates‘ für gut zahlende Kunden zu erledigen. Ich hatte keine Kontrolle mehr über mein Leben und verlor meine Identität.‘

Arbeiten am Pornoset – Eine Fake-Welt

„Jeder trägt eine Maske und sie lügen, um zu bekommen, was sie wollen. Es gibt keine ‚echten‘ Beziehungen in dieser Branche. Nur ein ‚Stück Fleisch‘ auf der einen Seite und Produzenten sowie Firmen auf der anderen, die damit möglichst viel Geld verdienen wollen. So lange du Geld einbringst und gehorsam bleibst, so lange wirst du ‚verwöhnt‘, mit Jobs und falschen Versprechungen.

Pornografie ist eine Täuschung. Da gibt es keine Wahrheit. Da sind keine Gefühle oder irgendetwas Natürliches dabei. Pornos entfernen dich immer mehr von echter Sexualität. Du wirst innerlich verschmutzt. Ich habe Pornos gedreht wegen des Geldes. Niemals habe ich es gern getan. Ich dachte mir einfach: ‚Das ist der einzige Weg, um Essen für meine Kinder auf den Tisch zu bekommen. Ich muss es tun.'“

Die Risiken der Pornoindustrie

  • 36 Jahre: Soviel beträgt das Durchschnittsalter eines Porno-Stars.

  • 36 Pornostars sind alleine zwischen 2007 und 2010 an Aids, Drogen, Selbstmord, Mord oder Totschlag gestorben.

  • 205 Pornostars starben zwischen 2013 und 2016 frühzeitig an Aids, Drogen, Unfällen, Selbstmord oder durch Mord.

  • 70 % oder mehr aller Porno-Darsteller haben Herpes, eine behandelbare aber unheilbare Krankheit.

  • 70 % aller sexuell übertragbaren Infektionen in der Porno-Industrie treten im Zuständigkeitsbereich der „Los Angeles Public Health“ auf.

  • 2396 Fälle von Chlamydiose (bakterielle Geschlechtskrankheit) sowie

  • 1389 Fälle von Gnorrhoe (Tripper) waren damals bei Pornostars in den USA dokumentiert.

  • 1500 Domains die Inhalte mit Kindesmissbrauch zeigen, fand die „Internet Watch Foundation“ allein im Jahr 2008.

Pornos als Anleitung für das Sexleben von Ehepaaren?

„Absolut nicht! Warum wollen Sie sich von traumatisierten, geschundenen, drogenabhängigen und kranken Menschen zeigen lassen, wie Sie Sex haben sollten?“

Ausstieg aus dem Pornogeschäft – Hört auf damit!

„Niemals habe ich meinen Ausstieg bedauert, für keinen Moment! Es geht mir um so vieles besser, nachdem ich dieses ‚Geschäft‘ verlassen habe. Mein neues Leben war nicht immer leicht, aber das Weitermachen hätte mich getötet.“

„Mein Rat an alle, die Pornos konsumieren: Sie können mir nicht in die Augen schauen, meine Stimme hören und auch nicht dahin zurückgehen, um meinen Schmerz oder mein Leid zu verstehen. Aber Sie können sich selbst hinterfragen. Sie können im Internet wahre Geschichten über Frauen finden, die ebenfalls ausgestiegen sind. Dort finden sie außerdem aktuelle Statistiken sowie auf Fakten basierende, wissenschaftliche Studien über die Auswirkungen von Pornografie. Pornos haben Nichts mit der Wirklichkeit zu tun. Und wenn Sie solche Filme konsumieren: Hören Sie bitte damit auf! Sie unterstützen damit die sexuelle Ausbeutung von Menschen, den Menschenhandel mit Frauen und Kindern. Letztendlich fördern Sie den Handel mit menschlichem Leben. Bitte beenden Sie das und holen Sie sich Hilfe, um wieder zu Ihrer eigenen, gesunden Sexualität zu finden.

Safersurfing bietet all jenen Hilfe an, die einen Ausweg aus der Pornoabhängigkeit suchen. Hier findest du ein kurzes Video, in dem ehemalige Pornodarsteller über ihre Erfahrungen in der Pornoindustrie berichten. Einen kostenlosen Onlinekurs gibt es ebenfalls auf unserer Website!

*Die im Text- oder Videobeitrag vorkommenden Äußerungen, Meinungen und Zitate spiegeln nicht zwangsläufig die Meinung der Redaktion wider.

Bildquelle: Shelley Lubben

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