Pornos im Klassenzimmer im Namen einer besseren Aufklärung und Realitätskonfrontation? So empfiehlt es der ehemalige Chefarzt des Unispitals Basel (CH) und erntet damit nicht nur vom Schweizer Lehrerverband gerechtfertigter Weise scharfe Kritik.

Pornos gegen falsche Vorstellungen von Sexualität?

Johannes Bitzer, ehemaliger Chefarzt des Unispitals Basel, möchte fehlender Medienkompetenz sowie unrealistischen Erwartungen an Körper und Sexualität entgegenwirken, indem er eine fragwürdige Empfehlung ausspricht:

„Jugendliche müssen den Umgang mit diesen Medien lernen. Wir empfehlen auch, dass Lehrpersonen in der Schule über Pornos sprechen oder sich mit ihren Schülerinnen und Schülern einen Film anschauen. Hier wäre es wichtig, jungen Menschen aufzuzeigen, wie unterschiedlich Vulven und Penisse aussehen können. Oder ihnen vor Augen zu führen, dass Sex nicht immer mit einem Orgasmus endet.“

Seinen Vorschlag, Pornos im Klassenzimmer zu konsumieren, begründet er so: „Wenn ein Teenager sich diese Filme alleine ansieht, gibt es keine Auseinandersetzung damit. Die unbegleitete Aufklärung durch Pornos oder die halbpatzige Aufklärung durch andere Kinder sollten verhindert werden. Lehrpersonen oder Sexualpädagogen dagegen können diese Aufklärungsarbeit professionell leisten.“

Scharfe Kritik: „Rote Linie nicht überschreiten“

Dagmar Rösler, Präsidentin des Lehrerinnen- und Lehrerverbandes (LCH), teilt die Meinung von Johannes Bitzer nicht und meint dazu:

„Ich kann nachvollziehen, was Dr. Bitzer meint, aber ich würde davon absehen, Pornofilme im Unterricht zu schauen. Das kann nicht gutgehen. Stellen Sie sich vor, die Jugendlichen kommen am Mittag nach Hause und erzählen, sie hätten in der Schule gemeinsam mit dem Lehrer oder der Lehrerin einen Pornofilm geschaut. Damit wären ganz bestimmt viele Eltern nicht einverstanden. Das ist eine rote Linie, die nicht überschritten werden darf.“

Auch Safersurfing möchte Körperbildstörungen bei Kindern und Jugendlichen, Sexismus, Frauenfeindlichkeit und Gewalt entschieden entgegen treten, jedoch sehen wir in dem Vorschlag, Pornos im Klassenzimmer zu konsumieren, keinesfalls die Lösung für das Problem und teilen die Kritik des LCH. Weitere Themen zu Kinder- und Jugendschutz findest du auf unserer Website. Material zum Thema Sexualaufklärung gibt es in unserem Shop!

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Bildquelle: © NeONBRAND on Unsplash

 

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