Die Tagesschau berichtet von einem Selbstversuch des ARD-Politikmagazins Report Mainz zum Thema Cybergrooming, der zeigt: Häufig sind die Täter selbst noch minderjährig. Wie können Kinder und Jugendliche besser geschützt werden? Und: Besteht ein Zusammenhang zwischen sexueller Gewalt und Pornokonsum?

Kinderpornografie und minderjährige Täter

Über beliebte Onlinedienste bahnen sie sexuelle Kontakte zu Kindern und Jugendlichen an oder schicken ihnen unaufgefordert pornografische Bilder zu. Die Tatverdächtigen sind keineswegs immer ältere Pädophile. Cyberkriminologe Thomas-Gabriel Rüdiger von der Hochschule der Polizei Brandenburg bestätigte im Interview mit Report Mainz:

„Seit mehreren Jahren können wir feststellen, dass die Anzahl der minderjährigen Tatverdächtigen zum Beispiel bei Cybergrooming, aber auch bei Kinderpornografie und Jugendpornografie massiv angestiegen ist. Mittlerweile ist fast jeder zweite Tatverdächtige selbst Kind oder Jugendlicher.“

Die Pandemie, während der Kinder und Jugendliche länger zuhause das Internet nutzten, habe das Problem noch verschärft.

Selbstversuch: Cybergrooming boomt

Auch die Kriminalpolizei bestätigte diesen Trend. Kriminalhauptkommissar Volker Olbrisch, der die Ermittlungsgruppe zu Besitz und Verbreitung kinder- und jugendpornografischer Schriften bei der Kriminalpolizeidirektion Offenburg leitet:

„Wir stellen fest, dass die Täter immer jünger werden. Wir haben jetzt schon 11-, 12-, 13-Jährige, die wirklich mit Hardcore Kinderpornografie zusammenkommen.“

Eine Redakteurin von Report Mainz hatte sich bereits vor drei Jahren als 13-jähriges Mädchen ausgegeben und sich bei einem beliebten Messenger-Dienst angemeldet. Innerhalb eines Tages erhielt sie acht pornografische Fotos, die Männer bei der Selbstbefriedigung zeigten. Mehr als 20 Männer versuchten, sexuellen Kontakt zu dem vermeintlich 13 Jahre alten Mädchen aufzunehmen.

Pornokonsum und sexuelle Gewalt

Auch hier waren die Täter meist noch jung, einer war erst 16 Jahre alt. Ähnliches berichtet Sabine Maschke von der Universität Marburg. Die Erziehungswissenschaftlerin befragte mehr als 4000 Jugendliche zu ihren Erfahrungen mit sexueller Gewalt. Dabei habe sie einen Zusammenhang festgestellt, der sie alarmiere:

„Es gibt einen starken, signifikanten Zusammenhang zwischen der Häufigkeit des Schauens von Pornografie und sexualisierter Gewalt. Je häufiger geschaut wird, desto stärker wird sexualisierte Gewalt ausgeübt. Wir haben gesehen, dass bei den jüngeren, männlichen Jugendlichen im Alter von 14 bis 16 Jahren knapp die Hälfte fast täglich Pornografie konsumiert.“

Pornografische Inhalte für Minderjährige zugänglich zu machen, ist zwar gesetzlich verboten, Pornoanbieter kontrollieren das Alter ihrer Nutzer jedoch offenbar gar nicht. Cyberkriminologe Thomas-Gabriel Rüdiger warnt:

„Aus meiner Sicht werden wir die Tendenz erleben, dass die Zahlen minderjähriger Tatverdächtiger noch weiter ansteigen. Das liegt daran, dass wir noch immer keine effektiven Schutzmaßnahmen und Präventionsmaßnahmen im Zusammenhang haben.“

Safersurfing ruft ebenso dazu auf, notwendige Schutzmaßnahmen zu ergreifen und in Sachen Verantwortung nicht allein an die Eltern, sondern auch an die Provider zu appellieren. Vermittlung von Medienkompetenz und hilfreiche Maßnahmen sind wichtig, doch in allererster Linie geht es darum, Kinder und Jugendliche konkret zu schützen. Weiteres zum Thema Kinder- und Jugendschutz findest du auf unserer Website. Hilfreiches Material zum Thema Aufklärung gibt es außerdem in unserem Shop!

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Bidlquelle: ©Giovanni Gagliardi on Unsplash

 

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