Der Einfluss von Online-Pornografie auf Jugendliche

2018-10-22T20:49:15+00:0015. Oktober 2018|Aufklärung & Information, Kinder & Jugendschutz|

Im Mai 2017 hat die Middlesex University London Ergebnisse einer qualitativen und quantitativen Studie zum Thema Pornografie im Kindes- und Jugendalter veröffentlicht. Sie beschäftigt sich mit dem Einfluss von Online-Pornografie auf Werte, Einstellungen und Überzeugungen von Kindern und Jugendlichen. Bei der repräsentativen Studie wurden Jungen und Mädchen im Alter von 11 bis 16 Jahren befragt.

Erstkontakt zu Pornografie oft nicht gewollt

Von den befragten Studienteilnehmern geben 28% der Kinder und Jugendliche an im Alter von 11-12 Jahren zum ersten Mal mit Pornografie in Berührung gekommen zu sein. Mit 65% hat im Alter von 15-16 Jahren schon weit über die Hälfte der Kinder und Jugendlichen Online-Pornografie gesehen. Darüber hinaus bestätigt die Studie ein Phänomen, das bereits in vorangegangenen Studien aufgezeigt wurde: Der Erstkontakt mit Pornografie ist meist nicht intendiert. Bei ihrem ersten Aufeinandertreffen mit Internetpornografie haben laut der englischen Studie nur 22% der Kinder Jugendlichen gezielt nach Pornografie gesucht. 46% stolperten zufällig darüber z.B. durch ein Pop-Up und 22% wurden die pornografischen Bilder von anderen gezeigt.

Laut eigenen Aussagen reagieren 27% der Kinder und Jugendlichen bei ihrem ersten Pornokontakt geschockt. Bei all denen, die anschließend weiter Pornos schauen, sinkt dieser Wert auf 8%. Hier lässt sich ein gewisser Desensibilisierungsvorgang erkennen.

Einfluss von Online-Pornografie

© NSPCC, Children’s Commisioner, Middlesex University

Viele wollen Pornos nachahmen

Im Rahmen einer Onlinebefragung als Teil der Studie wurden die Kinder und Jugendlichen danach gefragt, ob sie Pornografie für realistisch hielten. 53% der Jungen, die auf diese Frage geantwortet haben, beantworten diese zustimmend. Bei den Mädchen sind es 39%. Je älter der Jugendliche, desto höher das Interesse die nachzuahmen, was im Porno gesehen wurde. Von den 11- bis 12-Jährigen sind es bereits gut ein Fünftel. Bei den 13- bis 14-Jährigen findet sich der Nachahmungswille bei 39% und bei den 15- bis 16-Jährigen bei 42%.

Einfluss von Online-Pornografie

Die Studie untersuchte darüber hinaus auch, welche Werteanschauungen Kinder und Jugendliche in der Pornografie verwirklicht sehen. Nur 23% der Jungen und 13% der Mädchen geben an, dass Pornografie ihnen ein Bild von einvernehmlichem Geschlechtsverkehr zeige. Bezüglich der bereits genannten Zahlen zum Nachahmungswillen und zu der Einschätzung, ob Pornografie Sexualität realistisch abbilde, lässt dieses Ergebnis aufhorchen. Warum, so könnte man fragen, ist der Wille zur Nachahmung so groß, wenn der abgebildete Geschlechtsverkehr mit Einvernehmlichkeit kaum etwas zu tun hat? Was bedeutet es, dass etliche Kinder und Jugendliche eine so dargestellte Sexualität für realistisch halten? Kinder und Jugendliche sind dem Einfluss von Online-Pornografie alleine nicht gewachsen. Nicht zu Unrecht wird im Vorwort der Studie resümiert:

„It cannot be right that so many children may be stumbling across and learning about sex from degrading and violent depictions of it.“

(Frei übersetzt: Es kann nicht sein, dass so viele Kinder im Internet über entwürdigende Gewaltdarstellungen von Sex stolpern und davon lernen.)

Im Rahmen der aktuellen Debatten um sexuellen Missbrauch sollten diese Zahlen aufhorchen lassen. Der Verein Safersurfing möchte Kinder und Jugendliche vor dem Einfluss von Online-Pornografie schützen. Aus diesem Grund ist uns insbesondere die Unterstützung von Eltern wichtig. Hier findest du weitere Infos, Tipps und Hilfestellungen zum Thema Kinder- und Jugendschutz.

 

Bildquelle: © marcino/Pixabay

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