Immer mehr Fachleute warnen davor, dass übermäßiger Bildschirmkonsum in den ersten Lebensjahren die gesunde Entwicklung von Kindern beeinträchtigen kann.

Entwicklungsstörungen bei Kleinkindern durch frühe Mediennutzung

Bereits 2023 machte die Österreichische Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde darauf aufmerksam, dass früher Medienkonsum das Risiko für Entwicklungsstörungen bei Kleinkindern erhöhen kann. Besonders in den ersten Lebensjahren entwickelt sich das Gehirn rasant. Kinder lernen Sprache, soziale Fähigkeiten und motorische Abläufe vor allem durch direkte Erfahrungen mit ihrer Umgebung und durch den Kontakt zu anderen Menschen. Wird diese Zeit zunehmend vor Bildschirmen verbracht, können wichtige Entwicklungsschritte verzögert werden. Nicht nur der direkte Bildschirmkonsum von Kleinkindern kann sich negativ auf ihre Entwicklung auswirken, auch die Mediennutzung der Eltern spielt eine Rolle. Gerade Babys benötigen viel Nähe, Blickkontakt und ungeteilte Aufmerksamkeit, doch wenn Erwachsene häufig durch Smartphones oder andere Geräte abgelenkt sind, fehlen wichtige Momente der gemeinsamen Interaktion und Bindung.

Kinderärzte beobachten besorgniserregende Entwicklungen

Die Auswirkungen zeigen sich inzwischen auch im Praxisalltag. Arnika Thiede, Fachärztin für Kinder- und Jugendheilkunde sowie Mitgründerin der Initiative „Smart aufwachsen“, berichtet:

„Wir sehen vermehrt Kinder, die sich nicht für andere Kinder interessieren.“

Solche Beobachtungen deuten darauf hin, dass intensive Bildschirmnutzung die soziale Entwicklung beeinträchtigen kann. Kinder benötigen Blickkontakt, gemeinsame Spiele und echte Interaktionen, um Empathie, Sprache und Kommunikationsfähigkeit zu entwickeln. Digitale Medien können diese Erfahrungen nicht ersetzen.

Warum echte Erfahrungen unersetzlich sind

Auch Dr. Werner Sauseng betont die Bedeutung unmittelbarer Sinneserfahrungen für die kindliche Entwicklung:

„Kinder lernen sehr viel, indem sie Dinge angreifen, berühren, anfangs auch durch In-den-Mund-Stecken, das ist vor dem Bildschirm nicht möglich.“

Gerade das Greifen, Tasten und Ausprobieren fördert die Vernetzung des Gehirns und unterstützt die motorische sowie kognitive Entwicklung. Bildschirme bieten zwar Unterhaltung und Informationen, können jedoch die vielfältigen Reize der realen Welt nicht ersetzen. Eltern können die Entwicklung ihrer Kinder fördern, indem sie gemeinsame Spielzeiten, Bewegung im Freien und persönliche Begegnungen bewusst in den Alltag integrieren und Bildschirmzeiten altersgerecht begrenzen. Mit der Broschüre „Bildschirmfrei von Null bis Drei“ hat Saferinternet einen hilfreichen Leitfaden für Eltern herausgegeben.

Safersurfing möchte auf das Thema Entwicklungsstörungen bei Kleinkindern durch Bildschirmkonsum aufmerksam machen und unterstützt Eltern mit Informationen und praktischen Tipps für einen bewussten Umgang mit digitalen Medien. Auf unserer Website findest du weitere Infos sowie Tipps für den Alltag.

Bildquelle: ©Pexels/Helena Lopes

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