Die WDR-Reihe „Die Story“ hat kürzlich eine Sendung zum Thema Pornografie im Kinder- und Jugendalter gezeigt. Die Dokumentation trägt den Titel „Wenn Kinder Pornos schauen“ und befragt Personen aus Schule, Politik und Sexualpädagogik. Auch die Jugendlichen selbst kommen zur Wort.

Pornos schon alltäglich

„Jeden zweiten oder dritten komme ich damit in Verbindung“, so die 14-Jährige Keira aus Köln. Pornografie ist für sie längst etwas Alltägliches geworden. Auf die Frage, ob man das Frauen- und Männerbild aus den Pornos übernehme, sagt sie: „Ja, auf jeden Fall. Der Mann muss dominant sein und die Frau eher weniger. Das hat sich bei mir so eingeprägt.“ Überdies berichtet sie, dass das Schönheitsideal, dass in Pornos vermittelt werde, Druck auf sie ausübe. Auch ihre Freundin Kathi kommt in der Dokumentation zu Wort. Sie erzählt, dass sie sehr verwirrt war, als sie ihren ersten Porno gesehen hat. Sie habe danach aber mit niemandem darüber gesprochen.

Pornobegriffe in Schulen

„Muss ich beim ersten Mal schon Analverkehr machen?“

Diese und ähnliche Fragen stellen junge Schülerinnen der Sexualpädagogin Inge Thömmes. Auch der Sexualpädagoge Reinhard Brand spricht in der Dokumentation von seinen Erfahrungen in der Schule. Was ihm vor einigen Jahren noch Schüler der 6. Klasse erzählt hätten, berichten ihm jetzt schon die Jungs aus der 4. Klasse. Kinder und Jugendliche hätten heute, lange bevor sie selbst sexuell aktiv werden, schon alles gesehen. Was sie sehen, kann Druck ausüben, so Brand. Immer wieder äußerten Jungen beispielsweise die Befürchtung, ihr Penis könnte zu klein sein. In der nächsten Szene wird ein Schülerplakat eingeblendet. Darauf sieht man die Ergebnisse eines Brainstormings mit 4. Klässlern zum Thema Liebe, Partnerschaft und Sexualität. Unter den Ergebnissen finden sich Begriffe wie „reinbangen“, „stöhnen“ und „Puff“. Auffallend viele Begriffe aus dem Bereich der Erwachsenensexualität finden hier Einzug, so das Resümee des Sexualpädagogen Reinhard Brand.

Dokumentation macht auf Suchtgefahr aufmerksam

Ein 24-jähriger Student berichtet von seiner Pornosucht. Seinen ersten Porno habe er bereits mit 11 Jahren gesehen. „Der bessere Weg ist immer keine zu gucken, denn es kann in einer Sucht enden. Und das wünsche ich niemandem, mal dort zu sein“, so sein rückblickendes Fazit. Auch die Sexualtherapeutin Heike Melzer ist mit der Suchtproblematik von Pornografie vertraut. Sie beobachtet, dass die Zahl der Pornosüchtigen in den letzten Jahren deutlich angestiegen ist. Schätzungen zufolge, seien ca. eine halbe Million Menschen in Deutschland sex- oder pornosüchtig. Das sollte nachdenklich machen, so Melzer.

Politik, Kinder- und Jugendschutz

Was sagt angesichts all dessen die Politik zum Thema Kinder- und Jugendschutz im Internet? Bettina Wiesmann, die im Bundestagsausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend tätig ist, merkt an: „Der Kinderschutz im Internet funktioniert gar nicht gut. Unser Rechtsrahmen erlaubt bisher keine hinreichend gute Gegenwehr.“ Eine besonders große Herausforderung stellen Internetseiten aus dem Ausland dar, so Wiesmann. Insgesamt müsse man noch besser darin werden, das Terrain Internet bezüglich rechtlicher Schutzmaßnahmen auszuloten. Auch der Vorsitzende der Kommission für den Jugendmedienschutz weist auf die rechtlichen Hürden und Herausforderungen des Kinder- und Jugendschutzes im Internet hin. Die Dokumentation der WDR-Reihe ist noch bis nächsten Februar in der Mediathek abrufbar.

Safersurfing wünscht sich, dass die Politik zeitnah und zielstrebig nach Lösungen sucht, damit Kinder und Jugendliche auf Dauer sicher im Internet unterwegs sein können. Mehr zum Thema Jugendmedienschutz gibt es hier und hier.

 

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