Online-Game „Fortnite“: „Sie schlafen nicht, sie gehen nicht zur Schule, sie betreiben keinen Sport mehr. Nur um dieses Spiel zu spielen“, zitiert der Boston Globe den Kinderarzt Dr. Michael Rich. „Ein Bub zerschlug sogar die Windschutzscheibe des Autos seiner Eltern, weil er dachte, sein Smartphone sei darin eingesperrt.“

Fortnite – Hohes Suchtpotenzial

Rich ist der Leiter der Clinic for Interactive Media and Internet Disorders am Boston Children’s Hospital und ist immer häufiger mit Kindern (bereits im Volksschulalter) und Jugendlichen konfrontiert, die auf Ärzte und Therapeuten angewiesen sind, um ihre Sucht und die daraus resultierenden Folgen in den Griff zu bekommen. Viele von ihnen leiden bereits an Untergewicht, da sie sich weigern, das Spiel zu unterbrechen, um zu essen. Gleichzeitig suchen häufig bereits Eltern Paartherapeuten auf, da ein enormer Druck auf ihren Beziehungen lastet, ausgelöst von der Diskussion darum, wer von beiden es dem Kind ursprünglich erlaubt hatte, Fortnite zu spielen.

Fortnite wird als ein Mix aus „Minecraft“ und „The Hunger Games“ bezeichnet und kann sowohl einzeln auch als im Team gespielt werden. Der hohe Suchtfaktor ist insbesondere auf die spezifischen Elemente des Spiels wie soziale Interaktion, eine große Vielfalt an Handlungsoptionen und einen kreativ ausgeklügelten Belohnungsmechanismus zurück zu führen.  Zudem ist das Spiel kostenlos erhältlich, bietet in der Folge jedoch so genannte „In-App-Käufe“ an, von der ein Großteil der User Gebrauch macht.

Verantwortung nicht abgeben

Obgleich Fortnite genauso wie alle anderen Computerspiele (oder Suchtmittel generell) Risiken für jeden bergen kann, sagt Rich vom Boston Chidren’s Hospital, er habe bisher noch kein Kind behandelt, das neben der erwähnten Spielsucht nicht auch tiefer liegende Schwierigkeiten aufwies. „Wir betrachten aktuell die sogenannte ‚Problematische Interaktive Mediennutzung‘ weniger als eine in sich abgeschlossenen Diagnose, sondern vielmehr als ein Symptom für eine andere Diagnose, von ADHS bis hin zu Angstzuständen und Depression, die sich wiederum in dieser exzessiven Mediennutzung manifestieren.“

Safersurfing betont immer wieder, dass die Verantwortung an erster Stelle bei den Eltern liegen muss. Genauso wie bei den Themen Internetsucht oder Onlinepornografie ist es wichtig, kompetent, offen und im Gespräch zu bleiben. Wir bieten Vorträge für Eltern sowie Pädagogen an und freuen uns, über eine Einladung. Weitere relevante Beiträge zu diesen und ähnlichen Themen gibt es hier.

 

Bidlquelle: © alex-haney/unsplash