Hanna*: Ich habe mich immer wieder gefragt, ob mein Mann ein Problem mit Pornografie hat, weil er sich mir gegenüber mit Zärtlichkeiten sehr zurückhielt. Aus Angst traute ich mich nicht, ihn damit zu konfrontieren und so prägte sein Geheimnis unsere Ehe und unsere Intimität jahrelang. Jeder Tag mit ihm, war ein einziges großes „Warum?“ für mich.

Warum es so ist, wie es ist

Auf dem PC fand ich keine Hinweise auf seine Abhängigkeit, aber auf dem Handy hätte ich einiges gefunden, wenn ich den Zugang dazu gehabt hätte. Sein Kopfkino funktionierte auch einwandfrei. Wozu brauchte er da noch seine Frau, wenn es doch alleine mit den Pornos viel einfacher ging. Eines Nachts platzte die Bombe und ich gleich mit dazu. Ich war wütend, enttäuscht, verletzt, gekränkt, fühlte mich betrogen und vernachlässigt. Jetzt begriff ich langsam einige der „Warum’s“: Warum nimmt er mich nicht in die Arme? Warum zeigt er keine Zärtlichkeiten? Warum will er nicht mit mir schlafen? Warum ist er zurückhaltend mir gegenüber? Warum hat er keine Lust auf mich? Bis tief in die Nacht hinein, sprachen wir unter Tränen und Schmerzen, über das, was gerade zum Vorschein kam und es blieb nicht bei dieser einen Nacht. Die Abhängigkeit meines Mannes war damit nicht weg, aber ein erster wichtiger Schritt ans Licht war getan. Da mein Mann endlich aufrichtig zu mir war und Hilfe von außen in Anspruch nahm, entschied ich mich, ihm in einem langen Prozess zu vergeben und uns eine Chance ohne Trennung zu geben.

Was mir geholfen hat

Hier ein paar Sätze aus dem Buch „Ich war eine von vielen“ von Ilona Jacobs , die mir in meinem Prozess besonders geholfen haben:

  • Die Pornoabhängigkeit meines Mannes ist nicht meine Schuld.

  • Liebe bedeutet nicht, jedes Verhalten des anderen zu akzeptieren.

  • Meine Gefühle wahrnehmen und aufschreiben.

  • Ein Gebet und alles ist wieder in Ordnung? Nein!

  • Das Unrecht, das Leid, den Schmerz, etc. loszulassen und an Gott abzugeben, gelingt nicht von heute auf morgen.

  • Ich darf mein Elend bei Gott laut herausschreien.

  • Jetzt fühle ich nicht viel Liebe für meinen Mann, aber Gott kann meine Gefühle verändern.

  • Ich darf mir den Freiraum für intensives Überlegen und Nachdenken nehmen. Ich darf fragen: Warum?

  • Ich bin zu 100% für meine Gefühle der Bitterkeit verantwortlich und dafür, wie ich damit umgehe.

  • Vergebung gelingt nicht leicht oder schnell und ist nicht mit einem Mal erledigt.

  • Vergebung beinhaltet nicht, dass ich meinem Mann wieder voll vertraue, sondern dass ich ihm Raum für eine neue Chance gewähre.