Es war 06:25 Uhr und ich befand mich auf dem Weg zur Bushaltestelle. Ein ganz gewöhnlicher Schultag im Leben einer 10-Jährigen. Von weitem sah ich das Gewimmel von Schülern. Ein Gemisch aus verschiedenen Gefühlen machte sich in mir breit – Vorfreude, eine Freundin wiederzusehen und Angst davor, wieder von allen gemobbt zu werden. Meine Freundin hatte am Wochenende Geburtstag gehabt. Ich gratulierte ihr und sie führte uns ihr Geschenk vor: Ein pinkfarbenes Klapphandy. Dann fragte sie provokant: „Wusstet ihr, dass der Penis von einem Schwarzen voll lang sein kann?“ Ich war geschockt. Ich hatte noch nie über die Genitalien eines Mannes länger nachgedacht als nötig. Selbst die Aufklärung in der Schule, als ich 8 Jahre alt war, hatte in mir nur Scham und Ekel ausgelöst. Meine Freundin zeigte uns als Beweis einen Porno, in dem sich zwei Schwarze miteinander vergnügten. Ekel und Scham befiehl mich wieder. Aber auch Neugierde regte sich in mir.

Ekel und Neugier

Das war mein erster Kontakt mit Pornografie. Ich schwieg über diesen Vorfall und wollte ihn vergessen. Mit 11 Jahren, im Biologieunterricht jedoch hatten wir wieder Aufklärung. Diesmal mit mehr Bildern, sogar von zwei Zeichentrickfiguren, die miteinander Sex hatten. In mir regte sich etwas – Faszination, Ekel, Neugierde, Scham und noch einiges mehr, das ich vorher noch nie verspürt hatte. Als ich wieder Zuhause war, ließen mich diese Gefühle nicht mehr los und ich erinnerte mich an den Film, den mir meine Schulfreundin damals gezeigt hatte. Von da an suchte ich nach Gelegenheiten, wieder so etwas zu sehen.

Mit 14 bekam ich meinen ersten Laptop. Jetzt konnte ich immer ins Internet. Ich nutzte es für soziale Netzwerke und die Schule, bis ich eines Tages auf eine Seite kam, die mein Herz schneller schlagen ließ: Es war eine Porno-Website. Ich schaute zunächst nur ein Video an. Die Erregung, die sich in mir Bahn brach, verleitete mich dazu, mich zum ersten Mal selbst zu befriedigen. Dann klickte ich auf den nächsten Film und so weiter. Am Abend fühlt ich mich dann schmutzig und unwohl.

Pornografie als Flucht

Für mich war diese neue Welt eine Möglichkeit vor meinen alltäglichen Problemen zu flüchten. Ich floh vor dem Mobbing, von dem ich bis heute nicht recht weiß, was der Anlass dafür war. Ich floh vor den heftigen Konflikten meiner Eltern, die sich immer häufiger stritten. Ich floh vor den schlechten Noten, die sich durch eine Lernblockade, die sich aufgrund des Mobbings eingestellt hatte, zusehends verschlechterten. Es wurde immer schlimmer. Teilweise schaute ich täglich Pornos, verbunden mit Selbstbefriedigung. Aber von vielen hörte ich, dass das ja dazu gehört. So ist das heute eben.

Mit 16 bekehrte ich mich und nahm an einem Glaubenskurs teil. Eine Thematik war Pornografie und Selbstbefriedigung. Ich hörte, dass das Sünde sei. Ich war geschockt und nach einem offiziellen Bekenntnis meiner Sünden und der Übergabe dieser Probleme an Jesus, konnte ich Pornografie von heute auf morgen sein lassen. Nur das mit der Selbstbefriedigung klappte nicht so recht. Ich musste es immer wieder tun und hielt es nicht länger als eine Woche ohne aus. Meine Porno-Sucht übertrug ich auf die Selbstbefriedigung. Ich suchte Hilfe, aber die Meinungen darüber gingen sehr auseinander. Viele sagten, es sei ganz normal und gehöre zur Körperlichkeit dazu. Andere verteufelten solche Handlungen. Ich war ratlos, aber fühlte doch, dass es nicht in Ordnung war. Ich fühlte mich unfrei, doch ich wusste nicht, wie ich da wieder herauskommen sollte.

Gottes Liebe füllt die Leere

Ich ging mit meiner Verzweiflung schließlich ins Gebet und legte alles vor Jesus nieder, immer wieder. Ich übergab ihm mein Leben, alle Bereiche, ich ließ nichts davon aus. Er zeigte mir, warum ich nicht davon loskam, warum mich die Sucht immer noch gefangen hielt: Ich sehnte mich nach etwas, das nur einer schenken kann: Bedingungsloser Liebe. Ich wollte geliebt, angenommen und akzeptiert sein. Ich füllte erst durch Pornos, dann durch Selbstbefriedigung, ein Loch, das in mir klaffte. Was ich brauchte, konnte mir nur Gott geben und so suchte ich seine Nähe. Er sprach mir Identität, Intimität und Liebe zu – all das, was mir andere immer verwehrt hatten. Er heilte mein Herz, meine Wunden und führt mich aus der Sucht heraus. Heute kann ich frei leben und die Freiheit einer Tochter Gottes genießen! Danke, Jesus!

Du willst noch mehr ermutigende Zeugnisse hören? In diesem Video erzählt Anton von seinem Weg aus der Abhängigkeit. Auf unserer Rubrik „Hilfe bei Pornografie Sucht“ findest du zahlreiche Beiträge mit weiteren Zeugnissen und Hilfestellungen, damit auch DU deinen Weg in die Freiheit findest.

Clara*

 

* Name v. d. Redaktion geändert

 

Bilquelle: ©Andrew Neel/Unsplash