Ich habe seit meinem 13. Lebensjahr täglich Selbstbefriedigung betrieben. Mit 14 Jahren waren es noch Magazine wie der Playboy, ab 17 dann echte Hardcorepornos. Oft auch mehrmals am Tag Selbstbefriedigung und später massiver Pornokonsum über das Internet. All das hatte eine richtige Suchtstruktur entstehen lassen. Das Kopfkino bestimmte mein ganzes Leben.

Raus aus der Abhängigkeit

Anfang 2007 habe ich die Notbremse gezogen, weil ich merkte, wie diese Sucht mein Leben immer mehr auffraß. Ständig lief das „Kopfkino“, auch wenn gerade gar kein Porno in der Nähe war. Ich war wie in Trance und nutzte jede Gelegenheit, um mich sexuell zuzudröhnen, bis einfach nichts mehr ging. Die Beziehung zu meiner Frau war, nicht nur sexuell, auf einem Nullpunkt angekommen und drohte zu zerbrechen.

Auf Rat eines Freundes besuchte ich schließlich eine Selbsthilfegruppe für Sexsüchtige. Die Hemmschwelle war immens und es fiel mir sehr schwer , den ersten Schritt zu tun. In der Gruppe traf ich Männer, die meine Probleme hatten. Zum Teil auch mit Prostitution, was mir zum Glück bisher erspart geblieben war. Ich habe sofort gemerkt, dass ich hier richtig bin. Dass die anderen genau wissen, wovon ich rede. Das erste Ziel der Gruppe, ist sexuelle Trockenheit. Das bedeutet kein Sex, außer mit der Ehefrau, und natürlich auch kein Pornokonsum.

Ich bin seit genau zehn Monaten trocken. Das bedeutet zehn Monate keine Selbstbefriedigung, keine Pornos, nichts dergleichen. Es geht mir nicht um Moral. Wer denkt, dass ich nur aus moralischen Gründen aufgehört habe, der täuscht sich. Es geht in erster Linie um mich selbst und um mein Überleben. Ja, richtig gehört – ums Überleben. Anfangs gab ich noch Sprüche von mir wie: „Vom Wichsen ist noch keiner gestorben“. Mag schon stimmen, aber dennoch ist es eine Sucht wie jede andere Sucht. Sie frisst einen seelisch ganz langsam auf, bis man innerlich tot und vollkommen beziehungsunfähig ist.

Mein Leben nach dem Kopfkino

Ich habe seither eine innere Klarheit bekommen, wie ein Trinker, der nüchtern wird. Ich beginne mich selber ganz anders wahrzunehmen. Meine Gefühle – was ich will und nicht will. Aber auch versteckte Ängste und viel Negatives kommen zum Vorschein und müssen verarbeitet werden. Das Verhältnis zu meiner Frau hat sich verbessert. Ich konnte dieses ewige Versteckspiel endlich ablegen. Ich muss keine Angst mehr haben, dass meine Frau mein Treiben bemerkt. Ich bin nicht länger das ewige Sorgenkind der Familie.

Der Sex mit meiner Frau wird immer besser. Am Anfang hatte ich das Problem, dass ich aufgrund der nicht mehr täglich stattfindenden Ejakulationen, viel zu schnell kam. Das hat sich langsam, aber stetig gebessert. Heute kann ich erstaunlicherweise länger als früher. Und das wichtigste dabei: Ich komme meiner Frau beim Sex seelisch immer näher. Früher war der Sex wie Selbstbefriedigung zu zweit, egoistisch eben. Heute kann ich mich dabei innerlich öffnen und der Akt gewinnt dadurch ganz andere Dimensionen. Ich bekomme neue Kraft für mein Leben und meine Zukunft. Der Pornokonsum und die Selbstbefriedigung hatten das alles blockiert. Ich habe mehr Zeit, um mich mit Sinnvollem zu beschäftigen und meiner Lebensflucht zu entkommen.

Ich weiß, wie viele jahrelang versuchen, der Sucht zu entkommen, weil sie merken, dass es sie kaputt macht. Aber sie schaffen es nicht. Ich hätte es ohne meine Gruppe und ohne Gottes Hilfe auch nicht geschafft. Ich weiß noch, wie ich anfangs den Kopf geschüttelt habe, angesichts der „Trockenheitsregel“. Nie hätte ich gedacht, dass ich jemals für zwei Wochen auf Selbstbefriedigung verzichten könnte. Und heute sind es schon zehn Monate. Ich habe es geschafft und du kannst es auch schaffen!

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Bildquelle: ©WilliamIvan/unsplash.com